Wie komme ich von A nach B? Diese Frage beschäftigt nicht nur Impro-Spieler beim ABC-Spiel*, sondern ist natürlich auch essenziell, wenn man in eine neue Stadt kommt. Klar, Auto geht immer – und da wir in den USA sind, muss es am besten der allergrößte SUV sein, den Chevrolet gerade im Angebot hatte. Aber weil mein Geldbeutel mit dem Prädikat „studentisch“ noch nett umschrieben ist, muss ich auf andere Angebote zurückgreifen.

Ab Ende August werde ich Dank einer Art Semesterticket unbegrenzt den öffentlichen Nahverkehr nutzen dürfen. Ein Beitrag über überklimatisierte Busse und dunkle U-Bahnhöfe folgt also. Bis dahin habe ich eine Alternative gefunden, die meinem natürlichen Habitat auch sehr entgegenkommt: Capital Bike!

Das Prinzip ist sehr einfach: Verteil über die Stadt hinweg Stationen, an denen eine Reihe von robusten, ohne viel Schnick-Schnack ausgestatteten Fahrrädern stehen und vermiete die Räder dann, damit die Menschen von Station zu Station fahren können.

Capital Bike Karte
Allein in meiner Nachbarschaft gibt es sechs Stationen, die ich innerhalb von fünf Minuten per Fuß erreiche.

Eine einzelne Fahrt kostet 2 Dollar, man kann aber auch Abos für 24 Stunden, 3-Tage, 30-Tage oder für ein Jahr abschließen. Ich habe mich für ein 30 Tage Abo entschieden. Kosten: 28 Dollar. Dafür kann ich jetzt bis Anfang September an jeder Station ein Fahrad entnehmen, 30 Minuten durch die Stadt fahren und es dann wieder an der nächsten Station zurückgeben. Sollte ich länger als 30 Minuten fahren wollen, kostet das Aufschlag – außer, man stellt das Rad in eine Station und mietet es sich gleich nochmal wieder. Wenn man sich also nicht ganz doof anstellt und nicht in eine Gegend fährt, wo es keine Station gibt, kommt man ziemlich easy am Aufschlag vorbei.

Etwas schwieriger als die Rückgabe eines Rades ist es aber manchmal, überhaupt eins zu bekommen. Dass eine Station direkt vor meiner Haustür ist, finde nicht nur ich ziemlich dufte – ziemlich häufig ist hier kein Rad mehr anzutreffen. Wie wo viele Räder gerade verfügbar sind, kann aber auf der Karte von Capital Bikes nachgucken.

Wie auf dem Screenshot zu sehen, gibt es für jede Station ein Kuchendiagramm, auf dem angezeigt wird, ob man sich entspannt zur Station begegen kann oder man sich sputen sollte (viel rot bedeutet viele Räder).

Am Montag musste ich zum Beispiel zwei Blocks Richtung Süden laufen, weil direkt vor meiner Haustür alle Räder weg waren. An der Station „14th&Harvard Street“ standen dann aber ein paar Räder Spalier.

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Das eigentliche Mieten ist dann recht simpel. Man geht zum Automaten …

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… drückt „Rent a Bike“, füttert den Automaten kurz mit seiner Kredit-/Debitkarte …

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… freut sich mit dem Automaten, dass das Benutzerkonto gefunden wurde und drückt auf „Rent a Bike as Maximilian Rieger“ …

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… und bekommt einen fünfstelligen Code, mit dem man ein Fahrrad von einer Station loseisen kann. Ich als Zahlen-Analphabetiker drucke mir den Code zur Sicherheit auch nochmal aus, damit ich den auf den zwei Metern zum nächsten Rad auch nicht vergesse. Dann gibt man Code ein, ein kleines Lämpchen wird grün und mit einem ordentlichen Ruck kann man das Rad aus der Verankerung ziehen. Man braucht dabei auch nicht zimperlich sein. Einen Designpreis gewinnen die Räder zwar nicht, aber dafür halten die Dinger Bodenwellen und sonstige Hindernisse sehr gut aus und sind sehr leicht zu handeln (oder füßeln). Und besonders bei der Rückgabe sollte man eher mit etwas zu viel als zu wenig Schwung das Rad ins Dock schieben – wie bei der Landung eines Flugzeuges erkennen sonst wichtige Komponenten nicht, dass sie jetzt einrasten sollen.

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Einzig verstellbares Element: Der Sattel. Mit drei Handgriffen ist man auf der richtigen Höhe.

Ein weiterer Pluspunkt: Der Schwanenhalsrahmen (Danke, Wikipedia!) macht das Auf- und Absteigen einfach und Mann braucht keine Angst um besondere Körperteile haben. Zur Sicherheit trägt auch bei, dass man mit den Rädern zwar nicht langsam unterwegs ist, aber Dank drei Gängen recht schnell an die Grenze kommt, an der man über Frequenz an Geschwindigkeit gewinnen kann. Macht aber in der Stadt auch nichts, die Amerikaner haben großes Talent darin, rote Wellen auf der 14th aufzubauen, die mich direkt ins Herz der Stadt führt. Für diese Fahrt brauche ich rund 20 Minuten, ich habe also genug Zeit, um dort das Rad zu wechseln und dann von dort aus weiter zu den Sehenswürdigkeiten zu fahren.

Alles super also? Nicht ganz beziehungsweise nicht immer. Vielleicht war es der Vorführungseffekt, aber am Montag, als ich die Bilder geschossen habe, hat auf der Fahrt einiges nicht geklappt. Das erste Rad, dass ich mir geliehen habe, hatte einen kaputten Pedalarm, was ich erst nach den ersten Metern bemerkt habe. Flugs das Rad getauscht, weiter und nahe einer Bankfiliale kurz vor der National Mall eingedockt. Als ich bei der Bank fertig war, wollte ich mir wieder ein neues Rad holen. Aber: „Der Benutzer hat bereits ein Rad gemietet!“

Das hat mir dann kurz den Schweiß ausbrechen lassen, denn wenn man das Rad nicht richtig eindockt (das Lämpchen also nicht nochmal grün leuchtet) läuft im besten Fall die Zeit einfach weiter und man muss den Aufschlag zahlen. Im schlechtesten geht das Rad geht aber verloren und man muss 1000 Dollar zahlen. Daher checkte ich hektisch, ob das Rad noch da war und auch richtig eingedockt war. War es, zum Glück. Und kurz darauf konnte ich auch wieder ein neues Rad leihen. Mit dem fuhr ich noch ein bisschen zur Mall, um Fotos zu machen, und wollte dann von dort aus mit einem neuen Rad nach Hause fahren.

Mit Schwung wuchtete ich das Rad ins Dock, es rattert wie üblich und dann: Rotes Lämpchen! Das Dock hatte das Vorderrad zwar fest im Griff, war aber aus irgendeinem Grund nicht zufrieden damit. Loslassen wollte es aber auch nicht mehr. Und: Als ich versuchte, einen neuen Code zu lösen, bekam ich die gleiche Fehlermeldung wie vorher. Auch ein fremder Code konnte das Dock nicht dazu überzeugen, das Rad wieder loszulassen. Der Mann an der Service-Hotline wusste auch nicht so recht weiter, aber gerade als einen Techniker vorbeischicken wollte (#technikeristinformiert) löste sich das Problem von alleine: Ein vielleicht 10-jähriger Knirps hatte das Rad mit seinem Code befreit. Ich guckte auf die Uhr und sah, dass ich vor exakt 30 Minuten das Rad gemietet hatte. Der Ablauf meiner freien Zeit hatte also dafür gesorgt, dass mein Rad wieder frei sein durfte und ich ein neues mieten konnte. (Dieser Fehler ist mir auf keiner anderen Fahrt begegnet, ich könnte mir vorstellen, dass es daran lag, dass ich gleich am Anfang vom kaputten Rad gewechselt bin und dann nochmal die gleichen Code wie vorher bekommen habe)

Wobei, das mit dem Mieten war so eine Sache, weil der kleine Junge natürlich nicht alleine, sondern mit seiner Familie unterwegs war, die sich die letzten vier Räder an der Station gemopst hatten. Und auch an den drei anderen Stationen entlang der 14th gab es kein Rad, weshalb ich dann den ersten Kilometer Richtung Heimat zu Fuß bestreiten musste.

Sollte ich in den nächsten 25 Tagen also mal einen dringenden Termin haben, werde ich es mir nochmal genau überlegen, ob ich das Rad nehme oder nicht. Wenn man aber wie ich im Moment viel Zeit und im Zweifel auch gutes Schuhwerk hat, gibt es kaum eine bessere Möglichkeit, schnell von A nach B zu kommen und dabei auch noch die Stadt zu entdecken!

 

*Shoutout zu den Dearth Improvisators und den Looters!

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