Es ist eine der Fragen, die mir in den letzten zwei Monaten am häufigsten gestellt wurden: Was machst du eigentlich da drüben in Amerika? Nun, abgesehen von den Dingen, die ich auf diesem Blog schon beschrieben habe (wie der Hitze strotzen, New York erkunden und Räder ausleihen) vorallem natürlich eins: Studieren! Und war „Journalism & New Media“ an der American University im Rahmen des Washington Semester Program. Alles klar?

Wahrscheinlich nicht. Deswegen hier ein kleiner Überblick über das, sich hinter den ganzen Namen verbirgt.

American University

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Die Mensa. Beziehungsweise nur ein recht kleiner Ausschnitt von allen möglichen Dingen, die man sich dort unter dem Motto „All-You-Can-Eat“ zuführen kann. Gut, dass ich keinen Meal Plan habe und deswegen bis jetzt nur einmal da war – sonst könnte der Gürtel sehr eng werden.

Die AU ist eine private Universität in Nordwesten von Washington. Sie wurde 1893 gegründet und besteht aus einem Hauptcampus, einem Satellitencampus (10 Minuten vom Hauptcampus) und einem weiteren Gebäude rund 15 Minuten zu Fuß vom Hauptcampus entfernt, dem Spring Valley Building. Das wurde gerade eröffnet – als ich in der Woche vor dem eigentlichen Uni-Start schon mal in dem Gebäude drin war, war es noch eine ziemliche Baustelle. Auf dem Hauptcampus befindet sich neben den Gebäuden für Verwaltung und Lehre auch noch die Bibliothek, die Mensa, mehrere Wohnanlagen, das Student Health Center und die Bender Arena, eine Sporthalle, in die 5000 Menschen reinpassen und an die ein Fitnesstudio und ein 25-Meter-Schwimmbecken angeschlossen ist. Kann man sich mal so gönnen.

Von Außen ist der Campus und die Gebäude sehr schön. Der Campus ist ein Arboretum, also eine Art botanischer Garten. Das heißt, der gesamte Campus ist sehr grün und wäre ich ein Botaniker, ich hätte sicherlich Freude an den vielen verschiedenen Pflanzen in den Beeten. Als Sozialwissenschaftler freue ich mich aber eher über die große Grünfläche in der Mitte des Campus‘, der wahlweise als Spielwiese oder als Ort für Picknicks und Mittagsschläfchen gebraucht wird. (Oder als der Ort, an in den ersten Wochen immer wieder Stände mit Free Food auftauchen).

Von Innen ist das ganze Ambiente hingegen nicht mehr auf dem neuesten Stand, zumindest was die Innenarchitektur angeht. Tine Wittler hätte ihre Freude, als erstes würden wohl die unglaublich hässlichen Teppiche rausfliegen. Aber da ich recht wenig auf dem Campus sein werde, ist das zu verkraften.

(Vielleicht schnappe ich mir nächstes Wochenende mein Handy und mache mal via Facebook-Live eine kleine Campusführung.)

Washington Semester Program

Du weißt, dass du in einem gar nicht mal so schlechten Programm gelandet bist, wenn es einen eigenen Wikipedia Artikel hat. Jedes Semester kommen Studierende aus den USA und aus der ganzen Welt an die AU, um für 2-3 Tage an Seminaren an der Uni teilzunehmen und in der restlichen Zeit ein Praktikum zu absolvieren. Die perfekte Verbindung von Theorie und Praxis und zudem natürlich eine gute Möglichkeit, ein Netzwerk aufzubauen und Washington kennenzulernen. Dafür kostet es dann auch einen erklecklichen Betrag, alleine für die Studiengebühren musste ich 10.000 Euro bezahlen und das auch nur, weil ich über eine Partneruni an die AU gekommen bin. Sonst wären es 20.000 gewesen. Im WSP gibt es mehrere Schwerpunkte, zum Beispiel Global Econimics & Business (dieses Jahr anscheinend dominiert von Deutschen – praktisch alle Deutsche, die ich in der Welcome Week kennengelernt habe, sind in der Concentration), Foreign Policy oder eben Journalism & New Media. Insgesamt sind wir rund 150 Studierende, die in diesem Semester am WSP teilnehmen.

Journalism & New Media

Da soll noch einer sagen, ich sei der Selfie-König - Jay knipst einen Großteil der Klasse im Air & Space Musuem.
Da soll noch einer sagen, ich sei der Selfie-König – Jay knipst einen Großteil der Klasse im Air & Space Musuem. Insgesamt sind wir 17 Studis. Drei Männer, 14 Frauen, Elf Amerikaner, ein Ägypter und fünf Deutsche (inclusive mir).

Und was machst DU jetzt da, Maxi?

Bestandteil von WSP „Journalism & New Media“ sind zum einen Seminare und zum anderen ein Praktikum. Am Mittwoch Nachmittag, Donnerstag und Freitag werde ich bei einem Medienunternehmen arbeiten. Wo genau, das weiß ich leider im Moment immer noch nicht. (Es kommt noch ein Blog zur Praktikumssuche). Das ist also recht einfach zu erklären.

An den ersten beiden Tagen der Woche haben wir Seminare. Die meiste Zeit werden wir von unserem Professor Gil Klein betreut werden. Prof. Klein kennt gefühlt (und wahrscheinlich entspricht es der Wahrheit) jeden Menschen in Washington, der nur im entferntesten was mit Medien zu tun hat. Diese Kontakte nutzt er. Einmal, um uns die besten Praktika zu besorgen und zum zweiten, indem er interessante Personen dazu bringt, uns Vorträge zu halten, entweder direkt am Arbeitsplatz oder an Uni. Besonders montags fahren wir also von Vortrag zu Vortrag und hören von Journalisten von NBC oder von Mitarbeiten im Press Staff des Weißen Hauses, wohin die Reise des Journalismus gehen wird. Auch dienstags werden wir einige von solchen Vorträgen hören. Dazu kommt noch hin und wieder ein „Intership Seminar“, in dem wir über unsere Erlebnisse im Praktikum sprechen werden. Diese ganzen Seminare sind alle unter der Obhut von Prof. Klein.

Jeden zweiten Dienstag haben wir dann noch für zwei Stunden „Writing Class“ bei Prof. Iris Krasnow, einer Bestsellerautorin. In diesem Seminar kriegen wir beigebracht, wie man gut schreibt. Und jetzt gerade bin ich froh, das Prof. Krasnow kein Deutsch spricht, für diesen Blog würde sie mir wahrscheinlich den Kopf abreißen. Denn hier gibt es viel überflüssiges Zeug in den Sätzen, das weg kann, unpräzise Sprache ohne Ende und Rechtsschreibfehler. (Was eben passiert, wenn man in der Nacht einfach drauf los schreibt.) All diese Dinge mag Prof. Krasnow gar nicht und wird uns versuchen einzubläuen, zu vermeiden. Das wird sie aber nicht nur im Klassenraum machen, sondern wir werden auch selber Artikel schreiben. Den ersten gibt es hier zu lesen, es werden unter anderem noch ein Lifestyle Feature, ein Profil und ein persönlicher Essay folgen. Alles auf Englisch, was die Sache vielleicht sogar einfacher macht. Denn auf Englisch kann nicht so viel rumlabern, weil ich gar nicht so viele Worte kenne.

Und damit ich auch endgültig wegkomme von meiner Ein-Mediumalität names Radio habe am Dienstag auch noch einen „Elective Course“ mit dem Thema Videoproduktion belegt. Der Professor heißt Mark McDonald, kommt aus England und hat eine unglaubliche Radiostimme gepaart mit Englischen Akzent.

Am Ende werde ich also hoffentlich wissen, wie sich der Journalismus und die Medienwelt in den nächsten Jahren entwickeln wird (oder zumindest wissen, was gerade aktuell stattfindet), wie man gute journalistische Artikel schreiben und wie man einen Beitrag erstellt. Damit ich dann vielleicht auch mit Journalismus Geld verdienen kann, um meine Schulden abzubezahlen, die mir das WSP eingebrockt haben.

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